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You get what you give! Was Führungskräfte ändern müssen, um Bedeutung im Beruf zu stiften und motivierte Mitarbeiter zu erhalten.


Kaarma mit zwei „A“? Ja, du hast richtig gelesen, denn hier geht es nicht um das spirituelle Konzept, nach dem jede Handlung unweigerlich eine früher oder später eintretende Folge hat, sondern es geht darum, dass jede Führungskraft KAARMA braucht. Ein Prinzip, mit dessen Hilfe sie für jeden Mitarbeitenden einen bedeutungsvollen Arbeitsplatz schaffen soll. Begründer dieses Prinzips ist Professor Doktor Michael Steger, der versuchte zum Konstrukt „Sinnvolle Arbeit“ praktische Handlungsanweisungen herauszustellen, die im Besonderen an Führungskräfte gerichtet sind.

WARUM BRAUCHEN WIR BEDEUTUNGSVOLLE ARBEIT?

Solange das Geld stimmt, man pünktlich um 17Uhr nach Hause gehen kann und die Menschen, mit denen man sich ein Büro teilt, einigermaßen nett sind, passt das schon. Oder?

Aber genügt das wirklich? Die Wissenschaft kann dem nicht zustimmen. Denn sinnstiftende Arbeit kann einen enorm positiven Einfluss auf unser Leben haben. Fest steht nämlich, dass Angestellte dann besonders glücklich sind, wenn ihre Arbeit einen Sinn hat. Bedeutungsvoll ist eine Arbeit, wenn der Arbeitnehmende…

  • Bedeutung oder Zweck in seiner Arbeit erkennt,
  • die Arbeit in Harmonie zu ihm steht
  • und wenn zudem jemand anderes davon profitieren kann.

Diese drei Kriterien sind ausschlaggebend für unzählige Vorteile wie zum Beispiel eine hohe intrinsische, aus dem Inneren stammende, Arbeitsmotivation; hohe Jobbefriedigung; hochqualitative Performance und weniger Abwesenheit.
Da Arbeitnehmende nur wenig Einfluss auf die Gestaltung des Arbeitsplatzes haben, liegt es an den Personen, die das Sagen haben, die Führung und den organisationalen Kontext so zu gestalten, dass die Arbeit als sinnvoll empfunden wird.

Achtung, Führungskräfte: Arbeitnehmende würden für eine sinnvollere Arbeit sogar Gehaltseinbußen in Kauf nehmen.

WIE ERREICHEN WIR, DASS ARBEIT SINNVOLLER WIRD?


Nun kommt das KAARMA ins Spiel. Dieses Akronym bildet sich aus den Anfangsbuchstaben unterschiedlicher Stellschrauben, an denen Führungskräfte drehen können, um Mitarbeitenden eine sinnstiftende Arbeit zu bieten.


1. K wie KLARHEIT

Organisationen brauchen eine Vision und eine Mission, die über alle Hierarchieebenen hinweg klar geteilt wird. Der Zweck der Unternehmung muss dabei passend gewählt und authentisch sein. Mitarbeitenden sollte die Sinnhaftigkeit ihres Tuns am besten zu jeder Zeit bewusst sein. Eine wichtige Rolle bei der Verbreitung dieser Vision spielen die Führungskräfte. Sie sind die Boten, die diese wichtige Nachricht ihrem Team vermitteln dürfen.


Tipp: Den Auftrag des eigenen Unternehmens einheitlich an alle Mitarbeitenden weiterzugeben, kann auch über Mission-Messaging erfolgen. Der CEO von Starbucks sendete dafür beispielsweise Mails an alle Angestellten und erinnert sie daran, Kunden den Tag zu retten – mit gutem Kaffee natürlich.

2. A wie AUTHENTIZITÄT

Authentizität scheint sich als Trend durch die Führungskräfteentwicklung zu ziehen – Zu Recht, denn wenn Führungskräfte wollen, dass ihre Mitarbeitenden Hingabe, Eifer und ihre beste Performance zur Arbeit mitbringen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als es ihnen vorzumachen. Und nichts wirkt dabei schädlicher als unethisches Verhalten wie Manipulation oder andere Psychospielchen. Hier gilt: Vertrauen schaffen als Vorbild. Wenn einer den ersten Schritt macht, kommt der Rest hinterher.

3. A wie AKTUALISIERUNG

Der dritte Buchstabe im Akronym steht für die Unterstützung der Selbstaktualisierung. Er wurde als letzter Buchstabe 2017 ergänzt, ist aber dennoch ebenso wichtig wie alle anderen. Dabei geht es darum, eine Individualisierung des konkreten Arbeitsplatzes der einzelnen Arbeitnehmenden vorzunehmen. Dies soll so erfolgen, dass dessen Stärken und Motive optimal genutzt werden. Die Führungskraft muss den Mitarbeitenden demnach gut einschätzen können oder gemeinsam mit ihm erarbeiten, was genau das Richtige für ihn wäre.

4. R wie RESPEKT

Respekt liegt auf der Hand, oder? Jeder Mensch möchte gerne respektiert werden. Dieses Bedürfnis ist einfach festzustellen und dennoch augenscheinlich sehr schwer umzusetzen. Mitarbeitende wollen respektvoll behandelt werden. Sie wollen, dass die Worte der Führungskraft unterstützend und in angemessener Tonalität an sie gerichtet werden. Respekt an einem Arbeitsplatz zeigt sich darin, dass die Leute an ihrem Arbeitsplatz Spaß haben, motiviert arbeiten, sich umeinander sorgen und sich gegenseitig unterstützen.
Albert Schweitzer sagte: „Das gute Beispiel ist nicht eine Möglichkeit, andere Menschen zu beeinflussen, es ist die einzige.“ Führungskräfte müssen hier als mutiges Vorbild vorangehen und damit das Verhalten der Geführten modellieren.

5. M wie MEHRWERT

Seinen Unterstellten den Mehrwert ihrer Arbeit zu demonstrieren, sollte kein Problem für eine Führungskraft sein. Es hatte schließlich einen Grund, warum dieser Arbeitsplatz überhaupt geschaffen wurde. Und das Was und Wie wird zumeist schon in der Stellenbeschreibung begründet. Trotzdem sollte nicht unterlassen werden, seine Mitarbeitenden immer wieder aufs Neue daran zu erinnern, warum gerade ihr Anteil am Gesamtprozess wertvoll für die Organisation ist. Es ist nicht die Stelle die unabdingbar ist, sondern die Arbeit, die die dahinterstehende Person mit ihren individuellen Kompetenzen leistet.

6. A wie AUTONOMIE

Autonomie hat ebenfalls eine enorme, nicht zu unterschätzende Bedeutung. In der Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan wird sie neben Kompetenz und sozialer Eingebundenheit, als dritter Faktor für intrinsische Motivation postuliert. Autonomie bedeutet möglichst viele Entscheidungen selbst zu treffen. Dies führt nicht nur dazu, dass die Arbeit persönlicher wird. Der Mitarbeitende kann seine Stärken nutzen und sich beispielsweise im Mentoring sozial engagieren. Das führt zu mehr Innovation und zu besseren Problemlösungen. Sie hilft, mit der Arbeit zu verschmelzen und ganz darin aufzugehen. Als direkte Handlungsanweisung für Führungskräfte heißt das, mehr Aufgaben zu delegieren und Entscheidungen gerne mal anderen zu überlassen.


WAS BRINGT UNS SINNVOLLE ARBEIT?

Sehr viel! Gemessen werden kann der KAARMA-Wert einer Führungskraft über einen Fragebogen, der von den Mitarbeitenden ausgefüllt wird. Professor Doktor Michael Steger, der das Akronym auf Grundlage bisheriger Forschung entwarf, erforscht weiterhin kausale Zusammenhänge zwischen dem hohen KAARMA-Wert einer Führungskraft und verschieden Faktoren bei dessen Team. Mitarbeitende haben demnach ein erhöhtes Flow-Erleben und sind stolzer auf ihre Leistungen. Ihr Maß an Zufriedenheit ist tatsächlich doppelt so hoch, wie das von schlecht geführten Mitarbeitenden.

5 Tipps für ein höheres KAARMA

Soweit die Theorie, doch was genau kann man tun, um sein KAARMA zu erhöhen? Dafür lohnt es sich an den verschiedenen Bestandteilen des Konzepts anzusetzen.

1. Schaffe Gelegenheiten, um die Ziele des Unternehmens zu vermitteln.                                                    

Um Klarheit zu schaffen, kann man unterschiedliche Formate nutzen. Eine wöchentliche Jour-Fix-Runde oder zumindest jährliche Strategiemeetings, in denen die Führungskraft dem Team  immer wieder vermitteln kann, was das übergeordnete Ziel der Unternehmung ist. Wichtig ist dabei, Raum für Diskussionen und Fragen zu  schaffen. Denn es ist hilfreich für Mitarbeitende sich aktiv mit dem Purpose auseinandersetzen, um sich damit zu identifizieren.

2. Reflektiere dich selbst.         

Oftmals geraten Führungskräfte in eine Art Rolle, die eigentlich nicht ihrer Persönlichkeit entspricht. Einen Ausweg aus diesem automatisierten Verhalten zu finden, ist nicht leicht. An dieser Stelle lohnt es sich innezuhalten und tief in sich hineinzuschauen. „Wo bin ich authentisch?“, „Wo mach ich mir und anderen etwas vor?“, „Was kann ich vielleicht nicht so gut?“ oder „Wo kann ich Unterstützung gebrauchen?“

Die Selbstreflexion kann dabei helfen sein Verhalten zu adjustieren, dass es wirklich seiner Person entspricht.

3. Hole aktiv Feedback ein.                                                                                                                                     

Ob ein Mitarbeitender zufrieden mit seiner Arbeit ist, kann man höchstens erahnen. Um ganz sicher zu gehen, sollte man von Zeit zu Zeit nachhaken und Feedback-Gespräche führen. „Ist das, was du tust, eine große Stärke von dir?“, „Macht dir deine Arbeit Spaß?“, oder „Gibt es Stärken, die noch gar nicht eingesetzt wurden?“.

4. Gehe jeden Tag respektvoll mit deinem Team um.                                                           

Respektvoll miteinander umzugehen, bedeutet den Selbstwert des Gegenübers zu erhalten. Es lohnt sich seine Worte und Taten kurz zu überdenken, bevor sie geäußert oder ausgeführt werden.       

5. Sei wertschätzend.                                                                                                                                                            

Nimm dir die Zeit jedem, der am Output des Unternehmens beteiligt ist, zu erklären, warum sein Einsatz für das Unternehmen wertvoll ist. Und wenn etwas gut gemacht wurde, vergiss nicht zu loben. Regelmäßiges Lob hilft, dass der Mitarbeitende Vertrauen in seine Kompetenzen erhält.

Sich mehr KAARMA zu erarbeiten ist nicht einfach, denn es erfordert meistens eine konkrete Handlungsveränderung und eine Veränderung von Strukturen, die sich längst festgefahren haben. ABER es lohnt sich! (Dennoch lohnt es sich) Die aus dem Wandel resultierenden Ergebnisse, wie eine erhöhte Arbeitsmotivation, geringere Fluktuationsabsichten und eine hohe Jobbefriedigung, sprechen für sich.

Insgesamt ist der Ansatz, Arbeit bedeutungsvoller zu machen, um gute Ergebnis zu erlangen, vielversprechend und innovativ. Führungskräfte sollen beeinflussen, als wie sinnvoll Beschäftigte ihre Tätigkeit erachten. Dies ist vielleicht nicht direkt zugänglich, aber dennoch von immenser Wichtigkeit. Führungskräfte sind, insbesondere in Zeiten des Wandels, in der Bringschuld. Sie müssen Arbeitnehmenden Bedeutung bieten, damit diese gerne und produktiv arbeiten. Das KAARMA-Prinzip ist wie ein Baukasten mit allen wichtigen Werkzeugen und Schrauben, mit denen die Führungskraft die Arbeit und die Organisation so umbauen können, dass das Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit für die Arbeitnehmenden gestillt wird. Das führt zu einer immensen Verbesserung, sowohl des Wohlbefindens der einzelnen Akteure als auch der Effektivität der Organisation. Gute Führung führt zu guter Leistung. Denn wie beim Karma gilt auch hier: Du bekommst, was du gibst.

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