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Eigentlich wollte ich ja Rockstar werden…

…aber Kreativität ist nicht nur für Musiker essentiell.

Fast 13 Jahre ist es nun her, dass ich mit meiner Rockband Maradona und unserem damaligen Smash-Hit „Mexiko“ in die deutschen Single-Charts eingestiegen bin. Platz 88 – immerhin. Den Durchbruch haben wir leider nie geschafft. Und irgendwann musste auch ich mir einen „richtigen“ Job suchen. Und bin als Texter in die Werbung gegangen. Auch hier konnte ich mich kreativ austoben. Doch erst seit ich mich als Co-Founder von DeepSkill dem Thema emotionale Fähigkeiten und Leadership widme, fühle ich mich so richtig an mein Musikerleben von damals zurückerinnert. Ein Alltag als „Frontsänger“, voller Rock’n’Roll – und vielschichtigen Rollen und Aufgaben, die allesamt Kreativität erfordern. 

Kreativität – Must-have No° 1 für Gründer

Kreativität ist einer von den Begriffen, die tagtäglich diskutiert und inflationär genutzt werden. Das Problem dabei: Man entfernt sich immer mehr von dem Ursprung des Terminus und die wahre Bedeutung geht verloren. Deshalb würde ich hier gern zunächst etwas mehr Licht in das dunkle Definitionschaos bringen. Damit einhergehend, werden wir klären, warum Kreativität sowohl für Musiker als auch für Gründer eine wertvolle Eigenschaft ist. Ich nehme euch mit auf eine kleine Reise in meine Vergangenheit, um zu erzählen, warum meine Zeit als „Musiker im Hauptjob“ mir heute hilft, ein Start-up zu leiten.

Was genau ist Kreativität? Kann das mehr als bunte Bilder malen und schöne Texte schreiben?

Der Modeschöpfer Wolfgang Joop sagt: „Wahre Kreativität entsteht immer aus einem Mangel.“ Das trifft den Nagel auf den Kopf! Wo ein ungelöstes Problem ist, da braucht es eine Lösung. Nur liegt diese in den seltensten Fällen auf der Hand. Deshalb brauchen wir Kreativität. Der Begriff selbst, leitet sich von dem lateinischen Wort creare ab, was so viel bedeutet, wie Neuschöpfen oder Erfinden. Sie wird definiert als Fähigkeit zu originellen, produktiven und nützlichen Leistungen. Die Leistung ist dabei nicht nur neu, sondern ebenfalls nützlich, problemangemessen und ästhetisch.

Der Mangel, über den der Berliner Designer spricht, drückt sich in den verschiedensten Bereichen unseres Lebens aus. Politisch, unternehmerisch und künstlerisch. Wir sehen uns immer wieder mit neuartigen Problemen konfrontiert. Gesellschaftlich-politische Probleme, Lücken im Markt, die mit einem einzigartigen Produkt gefüllt werden können. Oder dem Wunsch, neue Kunstformen zu entwickeln, die beglücken, inspirieren und uns dabei helfen, unsere Sorgen, Freuden und alle weiteren Emotionen auf dem Spektrum menschlichen Erlebens zu verarbeiten.

Die Essenz der Kreativität ist das Neuschaffen, der Welt etwas Neues zu zeigen, oder sie zu beeinflussen.

Mit Maradona wollten wir damals genau die Mucke machen, die wir selbst gern von einer Deutschrockband gehört hätten. Die es aber damals so noch nicht gab. Also haben wir den Versuch gewagt, diese Lücke im Markt zu schließen. Also genau das Produkt zu erschaffen, das wir gern selbst konsumiert hätten. Leider war die Nachfrage am Markt dann aber nicht groß genug. Oder das Produkt war einfach nicht gut genug. Oder das Timing hat nicht gestimmt. Eben ganz so wie bei einem Startup.

Aber so oder so, gelohnt hat sich der Versuch allemal. Musikvideodrehs in der Wüste Nevadas, tausende Menschen, die auf Konzerten „Wir sind auf dem Weg nach Mexiko“ mitgrölen – und ein saustarkes Team, eine Band, in der wir gemeinsam unseren Traum gelebt haben. Wer neue Wege geht, muss auch die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass dieser Weg einen nicht ans erträumte Ziel bringt. Aber mitnehmen kann man immer was. Genau wie bei einer Unternehmensgründung, die womöglich anders endet als gedacht.

Probleme? Immer her damit!

Mit meinem Startup DeepSkill geht es nun wieder darum, eine Nachfrage am Markt, die wir erkannt haben, zu bedienen. Und somit ein Problem zu lösen, was bisher keiner zufriedenstellend löst. Das Problem, dass emotionale Fähigkeiten in der breiten Mitarbeiterschaft meist nicht genügend ausgebildet sind, um die hohen Transformationsziele zu erreichen, die man sich vorgenommen hat, um dem War for Talents, der digitalen Transformation und dem allgemeinen Wertewandel erfolgreich zu begegnen.

Beide Problemstellungen, sowohl als Band- als auch als Unternehmensgründer, erfordern eine gehörige Portion Mut und natürlich Kreativität. Kreative Personen sehen Defizite als Chance. Sie möchten, die Welt verändern auf die eine oder andere Art und Weise.

Zusammengefasst ist Kreativität also das Entwickeln einer neuartigen Lösung für ein bestehendes Problem. Wie zeigt sich das Konstrukt Kreativität nun in einer Person? Welche Charaktereigenschaften hält sie inne?

Was zeichnet kreative Personen aus?

Eine große zusammenfassende Studie über die Persönlichkeit in der wissenschaftlichen und künstlerischen Kreativität ergab, dass kreative Menschen autonom, ehrgeizig, offen für neue Erfahrungen sind und dazu neigen, Normen anzuzweifeln. Auch Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz zeigen sich oft in kreativen Personen. Unter den nicht so schmeichelhaften Eigenschaften findet sich eine weniger verträgliche Art und Neigung zur Impulsivität. Trotzdem sind es mitunter diese Charakterzüge, die Personen dazu befähigen, sich durchzusetzen und Chancen zu ergreifen. Alles Eigenschaften, die man wohl auch Mick Jagger und Co zuschreiben könnte, oder? Und wohl auch der einen oder anderen bekannten Gründerpersönlichkeit.

Hits fallen nicht vom Himmel. Genauso wenig wie starke Produkte.

Kreative zeichnen sich durch Beharrlichkeit aus. Entgegengesetzt der Erwartungen und Darstellungen in Filmen sind kreative Ideen nicht (immer) Geistesblitze, die ohne gelernte Fähigkeiten und Vorwissen vom Himmel fallen. Auch Albert Einstein studierte jahrelang alle gegebenen physikalischen Gesetze, bevor er die Relativitätstheorie aufstellte und Aretha Franklin, die Queen of Soul, sang hunderte Songs, bevor sie ihren ersten Hit landete.

Was wir daraus lernen: Die optimale Lösung zu finden, erfordert viel Energie und Kraft. Kreative Menschen besitzen eine konstruktive Hartnäckigkeit. Das heißt für Songwriter: schreiben, schreiben, schreiben, schreiben. Bis der eine Hit dabei ist. Und auch als Gründer durchläuft man unzählige Zyklen, bis man einen starken Product-Market-Fit erreicht.

Kreativität lässt sich nicht erzwingen. Sie bedarf Leidenschaft, Spaß und intrinsischer Motivation.

Kreativität lässt sich dabei nicht durch Geld oder mehr Urlaubstage forcieren. Sie entsteht vielmehr durch eigenen Antrieb, also durch intrinsische Motivation. Menschen sind demnach kreativer, wenn sie Dinge aus Leidenschaft oder zum Spaß machen. Extrinsische Anreize, wie Geld oder eine Medaille wirken eher kontraproduktiv. Werden Kreative danach gefragt, was sie motiviert sich einer kreativen Tätigkeit anzunehmen, wird oftmals die Möglichkeit, seine Vorstellungskraft zu nutzen, sich frei zu fühlen oder sich auszudrücken, benannt.

Zudem können Kreative besser widersprüchliche und unsichere Situationen aushalten und sich derer annehmen. Ambivalenz, Unklarheiten und ungelöste Spannungen, sowie Komplexität macht ihnen keine Angst. Demnach werden zu schnelle und einseitige Lösungen verhindert, die nur dadurch entstehen, dass man sich nicht weiter mit dem Problem beschäftigen möchte, weil es unangenehm ist. Kreative Menschen halten Komplexität nicht nur aus, sie bevorzugen diese sogar. In einer Studie zeigte sich, dass Kreative komplexe und asymmetrische Figuren als lebendig und dynamisch im Gegensatz zu einfachen und symmetrischen Figuren wahrnahmen.

Gründer müssen genauso in der lage sein verschiedene Perspektiven einzunehmen, wie Songwriter.

Es wurde ebenfalls ein Zusammenhang zwischen Spontanität und Kreativität gefunden, denn kreative Köpfe können auch mal aus den Langzeitplänen aussteigen, um ad hoc auf ein plötzliches Ereignis zu reagieren. Sie weisen also ein flexibles Mindset auf und können verschiedene Perspektiven einnehmen, sich besser auf neue und unerwartete Ereignisse einstellen und ihr Verhalten situativ anpassen. Ein Gründer, der die Bedürfnisse seiner Kunden nicht kennt, wird genauso scheitern wie ein Songwriter, der sich nicht in sein Publikum hineinversetzen kann.

Egal, mit welchem reliablen Test Kreativität gemessen wird. Eins kommt immer dabei heraus, und zwar ein Zusammenhang mit Selbstwirksamkeit. Konkret heißt das, dass der Glaube an die eigene Kreativität, die Kreativität bestärkt. Das lässt sich dadurch erklären, dass das Vertrauen in und auf die eigene Kompetenz, die Frustrationsgrenze nach oben schiebt und man deshalb weniger schnell aufgibt.

Wer nicht felsenfest an sich und seine Idee glaubt, wird auch keinen anderen dazu bringen, dies zu tun.

Nicht jeder wird sich in dieser Persönlichkeitsbeschreibung wiedererkennen. Das ist kein Problem, denn wir brauchen Diversität, um erfolgreich zu sein. Es bedarf auch der rationalen Analysten und der strukturierten Planer. Hinzu kommt, dass es eine lange Zeit weit verbreitet war, dass Kreativität eine angeborene Kompetenz sei, die nicht beeinflusst werden kann. Heute ist man der Überzeugung, dass feste Schemata und Fakten wichtige Voraussetzungen für Kreativität sind, welche man sich durch Lernen aneignen kann.

Wer viel Wissen hat, kann sich also, wie Einstein, aus seinen tiefgreifenden Kenntnissen bedienen, um zu kreativen Ideen zu kommen. Die Art und Weise, wie kreative Ideen entstehen, hat der verstorbene Psychologe Otto Walter Haseloff (1971) anschaulich in einem 6-Phasen-Modell dargestellt. Diese läuft nämlich bei allen „Nicht-Kreativen“ und „Kreativen“ gleich ab.

Phase 1 – Problematisierung: Ein oder mehrere Probleme werden entdeckt, Gegensätze aufgespürt, der Status Quo infrage gestellt, Lücken im Wissen und in der Erfahrung identifiziert sowie bisher einfach hingenommene Zustände abgelehnt.

Phase 2 – Exploration: Das Problem wird von allen Seiten betrachtet. Erfahrungen, Informationen und Wissensbestände werden neu strukturiert. Alle bereits bekannten sowie neue Lösungsmöglichkeiten werden, unabhängig ihrer möglichen Widersprüchlichkeit, in Betracht gezogen.

Phase 3 – Inkubation: In einer Phase der Entspannung, wie im Schlaf, beim „Faulenzen“ oder beim Tagträumen, sackt die Problemstellung ins Unterbewusstsein. Während dieser Phase sind häufig Netzwerke miteinander aktiv, die sonst eher unabhängig voneinander agieren oder sogar gegenläufige Aufgaben haben. Diese neuronalen Verbindungen stehen sowohl im Zusammenhang mit Entspannung, aber auch mit starken Kontroll- und Gedächtnisfunktionen. Kurz gesagt: Es läuft eine nonverbale Neukalibrierung von Erfahrungen ab.

Phase 4 – heuristische Regression: In diesem Zustand entsteht, ausgelöst durch die Ablenkung, die Möglichkeit, offen für subjektiv spontan auftauchende Lösungsmöglichkeiten zu sein – also es werden sogenannte Geistesblitze erlebt. Diese Ideen werden im Gegensatz zu unserem alltäglichen, eher analytischen Denken, spielerisch behandelt. Sie werden gedanklich verändert und ergänzt, probeweise akzeptiert und wieder verworfen. Durch die Ungezwungenheit werden unerwartete und neuartige Lösungen ermöglicht. Dieser gesamte Prozess läuft auf unterbewusster Ebene ab.

Phase 5 – Elaboration: Anschließend wird die aussichtsreichste Lösung näher in Betracht gezogen. Der gefundene, unfertige Lösungsansatz wird systematisch ausgearbeitet und verbalisiert. Die Idee kämpft sich also ins Bewusstsein und wird so kommunizierbar gemacht.

Phase 6 – Diffusion: Im letzten Schritt kann die Idee anderen mitgeteilt, diskutiert und umgesetzt werden. Sie breitet sich aus.

Haseloffs Modell bezieht sich sowohl auf Schnapsideen, wie im Frankreich-Urlaub mit Zylindern auf dem Kopf Nacktbaden zu gehen, oder auf glorreiche Ideen, wie Mark Zuckerbergs Vision für Facebook. Je öfter dein Gehirn die Verbindung der Netzwerke nutzt, desto mehr kreative Ideen hast du. Das sagt nichts über deren Güte aus, aber bei vielen Ideen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine davon herausragend ist.

Die Songideen meiner Band Maradona und die Produktideen von DeepSkill sind in einem kreativen Schaffungsprozess entstanden. Es ist nunmehr belegt, dass hinter Kreativität mehr steckt als bloßer Einfallsreichtum. Und ich bin der Überzeugung, dass Musiker-Skills wie Kreativität Gründer zu besseren Gründern und auch Führungskräfte zu besseren Führungskräften machen.

5 schnelle Tipps, um kreativer zu werden

1.      Schulbuchwissen aneignen

In welchem Bereich auch immer du gerne kreativ(er) wärst, eigne dir so viel Wissen an, wie möglich, um in ihm zu brillieren. Wenn du ein Unternehmen gründen möchtest, dann finde heraus, was du alles benötigst und werde Experte in dem Markt, den du angreifen willst. Es ist einfacher, kreative Ideen zu produzieren, wenn du eine profunde Kenntnis zu einem spezifischen Thema hast.

2.      Geduld 

Kreative Ideen entwickeln sich meist nicht auf Knopfdruck durch strukturiertes Nachdenken und können kaum erzwungen werden. Gib dir und deinem Gehirn Zeit und setze dich nicht unter Druck. Dann kommt die Kreativität von allein.

3.      Pause machen

Wie in Haseloffs Modell erklärt, werden kreative Ideen insbesondere in Ruhezeiten des Gehirns produziert. Deshalb der einfache Ratschlag, wenn du feststeckst: Mache eine Pause, geh spazieren, oder mache einen Powernap.

4.      Finde etwas, wofür du dich begeisterst

Kreativität kann nicht von außen beeinflusst werden, extrinsische Anreize wirken sogar entgegengesetzt. Es ist also wahrscheinlicher für dich in Bereichen kreativ zu werden, für die du ein persönliches Faible hast.

5.      Selbstbewusstsein 

Glaub an dich! Du kannst das und du schaffst das. Kreativität spielt mit unwahrscheinlichen und gegensätzlichen Lösungsmöglichkeiten. Wenn du nicht davon überzeugt bist, dass du die Dinge in die Hand nehmen kannst, schließt du möglicherweise frühzeitig kreative Ideen aus, weil du sie für zu komplex oder absurd hältst.

Zusammengefasst können wir mitnehmen, dass der Begriff Kreativität weitaus mehr umfasst als den sporadischen Geistesblitz und dass kreative Personen eine Vielzahl von Eigenschaften neben ihrer Kreativität zugeschrieben werden können. In der Praxis können wir und unsere Arbeitgeber unsere Kreativität fördern, indem wir uns fortbilden und genug Zeit für Verschnaufpausen einplanen. Das Ergebnis dieser Entwicklung sind mehr smarte Ideen und eine höhere Innovationspower für unser Leben und unsere (Arbeits)Welt.

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